Seiten

Mittwoch, 16. Mai 2012

it's like wishing for rain as I stand in the desert

Ich vergesse alles um mich herum und tauche in meine Gedankenwelt ein. Wie in weiter Ferne brabbelt mein Lehrer irgendetwas von Algebra. Die Gedanken ziehen mich in immer weitere Tiefe, hängen an mir wie tödliche Steine von denen ich mich nicht befreien kann. Ich habe keine Lust mehr auf das ganze hier. Die Schattenseiten des Lebens sind für mich nur zu alltäglich geworden, die Sonne ist unter und nicht wieder aufgegangen, der Mond hat seine Laterne für mich ausgeknispst, selbst die Sterne sind erloschen. Mein Lächeln ist nur noch eine vage Erinnerung, die Augen blicken stumpf aus dunklen Höhlen. Warum bin ich so geworden? Aber viel interessanter: Warum habt ihr das zugelassen Eltern Menschen die mich gezeugt haben. Fremde, denen ich unwichtig bin. Die ich hasse. Noch zwei Jahre! Dann bin ich hier raus.

Kommentare:

  1. Vielleicht wird alles ein bisschen besser, wenn du ausziehst, ich würde es dir sehr wünschen.

    Maja♥

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Sophie,

    so viel...
    So viele. So viele flirrende Worte. Wie Zerrbilder verblaßter Träume auf den schillernden Oberflächen v. tausenden, abertausenden v. Glasmurmeln auf ihrem Weg in die Tiefe.

    Vor nicht allzu langer Zeit schickte mich mein Arbeitgeber zu einem Seminar. Verschiedene Inhalte, auch Rhetorik. Zu Beginn eines Blocks bekamen wir eine kleine einleitende Aufgabe. Nichts besonderes eigentlich. Die Referentin nannte uns ein Begriff u. wir mußten innerhalb v. 60 Sekunden so viele Worte u. Assoziationen notieren, die uns zu diesem Begriff einfielen, wie wir konnten. Jeder für sich. Zwanzig Teilnehmer. Ziel dieser Übung war die Versinnbildlichung dessen, mit welch unterschiedlichen Bedeutungen jeder einzelne Mensch einen Begriff für sich belegt. Daher wurden im Anschluß die Listen verglichen.
    Nicht eine Assoziation, nicht einmal ein einzelnes Wort wiederholte sich auf allen Listen. Nur wenige Worte überhaupt wiederholten sich auf mehreren Listen. Mich hat das entsetzt.
    Es hat mir klar gemacht, daß es unmöglich ist auch nur irgendeine Erfahrung, ein Erlebnis, ein Gefühl o. auch nur einen noch so einfachen Gedanken mit einem anderen Menschen zu teilen. Sprache ist nicht in der Lage die Grenze zwischen Menschen zu überwinden. Jeder deutet die empfangenen Worte in die eigene Welt um u. gibt ihnen einen völlig neuen, aber verdrehten Sinn. Es gibt somit kein wirkliches Verständnis zwischen Menschen. Keine Nähe. Jeder Mensch ist wahrhaftig allein. Nicht nur in seiner Trauer o. in Niedergeschlagenheit wie Hermann Hesse es formulierte - sondern immer.

    -Im Nebel-

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein,
    Kein Baum sieht den anderen,
    Jeder ist allein.

    Voll von Freuden war mir die Welt,
    Als noch mein Leben Licht war,
    Nun, da der Nebel fällt,
    Ist keiner mehr sichtbar.

    Wahrlich, keiner ist weise,
    Der nicht das Dunkle kennt,
    Das unentrinnbar und leise.
    Von allen ihn trennt.

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Leben ist einsam sein.
    Kein Mensch kennt den anderen,
    Jeder ist allein

    -Herrmann Hesse-

    Es hat mich eine mehrere Monate andauernde Depression gestürzt. Welchen Sinn hat denn das Leben dann noch? Keinen. Alles sinnlos. Wertlos.

    AntwortenLöschen
  3. Bis mir eines Tages etwas klar wurde: Es ist nicht wichtig. Nicht wichtig ob wahre Nähe o. echtes Verständnis möglich sind. Wichtig ist, es zu versuchen! Immer u. immer u. immer u. immer wieder! Ein neugeborenes Kind ist kann nicht formulieren was es benötigt. Es kann weder Verzweiflung, Hunger, Angst o. Müdigkeit formulieren u. dennoch ist es möglich Verständnis zu entwickeln. U. ebenso ist es möglich sich einander absolut nahe zu fühle ohne sicher sein zu können, daß der andere in diesem Moment denkt u. fühlt wie man selbst. Es ist sogar möglich sich nahe zu fühlen, wenn man sicher weiß, mein Gegenüber fühlt u. denkt in diesem Moment ganz anders als ich.

    Warum schreibe ich das alles?

    Weil ich weiß, kleine Schwester, du kannst mir nicht glauben, wenn ich dir sage: du mußt nichts davon aushalten, du kannst alles ändern. Doch was bei dir ankommt ist vielleicht das Gefühl v. völligem Unverständnis, das ich scheinbar v. deiner Situation habe. Das Verrückte daran ist: ich habe es wahrscheinlich wirklich. Ebenso wie alle anderen Leser, denn niemand kann die Welt, deine Welt, durch deine Augen sehen - außer dir. Vielleicht fühlst du Ohnmacht gegenüber deinen Eltern. Dennoch, du kannst alles ändern. Die Optionen sind nicht toll. Wahrhaftig nicht. Andererseits würdest du das Zepter über deine Welt in die Hand nehmen. Du wärst nicht mehr der Spielball. Nehmen wir z.B. für einen Moment an, du würdest dich wirklich an das Jugendamt wenden. Du kämst aus deiner Familie. Alles verhaßte, aber auch alles vertraute wäre mit einem Lidschlag verschwunden. Wahrscheinlich kämst du in ein Heim, dann in eine Jugend-WG. Neue Umgebungen, andere Menschen, fremde Regeln. Erwartungen u. Anforderungen. Könnte hart werden. Aber du hast alles geändert, du hast dein Leben in eine v. dir gewählte Richtung gelenkt u. nicht zwei weitere, verlorene Jahre durchgehalten.

    Hast du den Mut zu Veränderung?

    Ein letztes, wieder einmal ein Brocken Lebenerfahrung. Wahre Freund sind nicht die, die dir nach dem Munde reden. Echte Freunde sind oft unbequem. Sie stellen die eigenen Handlungen u. Entscheidungen immer in Frage. Erst daran wächst man.
    Ich maße mir nicht an, mit dir wegen einiger Kommentare in einem Blog befreundet sein zu wollen. Aber ich werde dich weiterhin in Frage stellen. Wenn du das nicht möchtest, schreibe es u. ich werde es unterlassen zu kommentieren.

    Gute Nacht, meine Schwester.

    Rain

    AntwortenLöschen