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Dienstag, 31. Januar 2012

verwischte Grenzen

Die Lügen nehmen mir die Sicht. Wie tausende von Staubkörnchen sitzen sie auf der Fläche, färben weiß zu grau, zu schwarz. 'Ja, ich hab gegessen.' 'Nein, das sind nicht meine Abführmittel.' 'Ich hab keinen Hunger.' 'Mir ist schlecht.' 'Hab nur gekotzt, weil ich eine Magenverstimmung habe.' 'Nein, ich werde nicht zu viel Sport treiben.' Lügnerin!! Alles in mir schreit, lodert, ich verbrenne, will nach dem Rettungsring greifen doch  meine Hände verlieren sich im Leeren, während ich immer wieder nach Luft schnappe. Haie schwimmen unter mir, zum Fraß bereit, auf die richtige Minute des Angriffes wartend. Sie schnappen nach meinen Füßen. Weit und breit keiner da. Mein Blick nimmt nur Wasser auf, große Wellen die krachend über mir zusammenschlagen. Plötzlich nimmt mich der Wind, spreizt seine goldenen Schwingen und legt mich ans Ufer. Blutend und zitternd liege ich in der Kälte. In Sicherheit. Doch ich wünschte der Wind wäre so gnädig gewesen mich zu übersehen, dann wäre dem ganzen endlich ein Ende gesetzt.

Montag, 30. Januar 2012

treibholz

Die nackte Angst streckt ihre Finger nach mir aus, tastet sich unermüdlich vor. Ich weiche zurück, Schritt für Schritt, doch auf einmal stößt mein Rücken gegen die kalte Steinmauer hinter mir. Die Angst kommt näher. Lacht mir ins Gesicht, hämisch, schadenfroh, wohlwissend dass ich ihr in die Falle gegangen bin. Mal wieder.
Leben. Tag ein, Tag aus. Enttäuscht werden, verletzt werden, blutend am Straßenrand liegen. Du liegst da, praktisch für jeden sichtbar, denn aus deinem Mund gleiten lautlose Schreie, doch niemand hilft dir, rettet dich. Dein Leichnam treibt auf der sanften Gischt und kleine Wellen strömen ab und zu über dein Gesicht, du bist so leicht, du gehst nicht unter, Fett schwimmt oben, du bist leblos. Deine Haare wie ein Fächer ausgebreitet, bewegt von Millionen Wassermolekülen. Du schaust in den Himmel, siehst die grenzenlose Freiheit und fragst dich wann du auch endlich dort oben bist.