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Sonntag, 30. Oktober 2011

good times are gone

Hey, es tut mir so verdammt Leid dass ich mich mal wieder so lange nicht gemeldet habe. Der Grund ist der. Montag bin ich normal aufgestanden, alles war normal, so wie immer, nur das Ferien waren und ich mich tierisch gefreut habe, voller Tatendrang war, meine ungeschriebene to-do-list abzukreuzen. Am Ende dieses Tages landete ich in einer Klinik. Ja, und jetzt bin ich immer noch da. Heute habe ich Ausgang und darf für vier ganze Stunden nach Hause, oh wunder!! Ehrlich, es ist schrecklich dort, ich werde gemästet wie sonst was, ich fühle mich fetter als je zuvor. Ich halte es kaum aus. Die ersten Tage habe ich nur geheult, nur. Ja, ich weiß ich bin eine Versagerin. Aber ich will nicht zurück. Ich versuche meine Eltern zu überreden mich gehen zu lassen, aber sie lassen nicht mit sich reden. Ich hasse sie so dafür. Der Herbst, mein zweit Lieblingsmonat steht vor der Tür und ich darf nicht mal raus gehen. Dieses Leben kotzt mich echt an. Tut mir wirklich Leid dass ich das momentan so oft sage, aber bitte bleibt mir treu, ich versuche so schnell wie möglich hier rauszukommen.


Sonntag, 23. Oktober 2011

vollgepumpt mit Glück

L. ruft an und fragt ob wir uns treffen, ich sage ja obwohl ich mich schrecklich fühle. Meine fetten Oberschenkel, der Schwabbelbauch, die Gedanken daran schnüren mir die Luft ab. Aber ich hab mich dafür entschieden zu leben also ziehe ich eine Jeans und ein Oberteil an und mache mich auf den Weg zu ihr. Wir reden eine Weile. Mit L. kann ich reden, über meine Eltern, wie sehr sie mich nerven und wie blöd sie sind. L. versteht das, ihre Eltern sind so wie meine. Ich wusste nicht dass dieser einer der schönsten Tage meines Lebens werden würde. Plötzlich meint L. ob wir noch ins Kino gehen sollen, obwohl es schon relativ spät ist und man in unserem Alter eigentlich nicht mehr in die Vorstellung gelassen wird. Sie nimmt den Personalausweis ihrer Schwester und wir machen uns auf den Weg. Draußen ist es schon dunkel, wir nehmen uns an die Hand, rennen los, den leeren Weg bis zur Bahn, können gar nicht mehr aufhören zu lachen. Das Kino ist voll, wir suchen uns einen Film ab sechzehn aus, als die Kartenabreisserin nach unseren Ausweisen fragt, lüge ich und sage dass ich meinen vergessen habe. Sie meint na gut und lässt uns rein.
Der Film ist zu Ende aber wir haben noch keine Lust nach Hause zu gehen. Auf einem Spielplatz setzen wir uns auf die Schaukeln und reden, reden, reden. Sie fragt ob wir schaukeln sollen, ich fühle mich wie früher. Als ob mir niemand etwas anhaben kann, die kalte Nachtluft schneidet in meine Lungen, die Mettalketten der Schaukel schneiden in meine Finger, der Wind reißt mir die Haare aus dem Gesicht, wir lachen wieder. Es ist so schön. Der Moment soll nicht vorbeigehen. Irgendwann tun unsere Hände so sehr weh, dass wir aufhören und zur Bahn zurückgehen, das gesamte Abteil ist leer, ich mache ein Foto, wir sehen so glücklich aus. So anders als sonst. 'Gehen wir noch zu Mccs?' Ich will schon verneinen, aber das Engelchen fliegt auf meine linke Schulter, geh mit, du wolltest doch gesund werden. Ich kämpfe mit dem Teufel zu meiner rechten aber letzendlich gewinnt das Engelchen. Wir laufen mit einem Milchshake über die Domplatte runter zum Wasser. Für ein zwei Momente vergesse ich die Welt um mich herum, meine Fettheit, die Unsicherheit. Aber es kommt alles zurück. Trotzdem. Das war einer der schönsten Tage seit langem. Die Stadt war leer, ich meine wer geht auch um halb eins nachts zum Kölner Dom aber es war so schön. L. und ich beschließen dass wir sowas jetzt öfter machen wollen. Ich will glücklich sein, sie will glücklich sein.
Eine vage Stimme in meinem Kopf spuckt Wörter aus: Das schafft ihr doch sowieso nicht.
Aber ich werde es ihr schon zeigen.